
Die meisten Brand Manuals sind 80-Seiten-PDFs, die einmal versandt und nie wieder geöffnet werden. Logos kommen in vier verschiedenen Varianten in Umlauf, Farben weichen je nach Tool ab, Typografie wird interpretiert statt angewendet. Der Aufwand für Konsistenz fällt im Alltag auf einzelne Mitarbeiter zurück — sie korrigieren, was hätte vorher geregelt sein müssen.
Ich baue Brand-Style-Guides als Arbeitswerkzeug, nicht als Dokumentations-Pflicht. Konkret: Logo-Regeln mit echten Anwendungsbeispielen (statt abstrakter Schutz-Zonen), Farbsystem mit Codes für Print, Web und App, Typo-Hierarchie mit konkreten Größen-Skalen, Bildsprache mit Do's und Don'ts an echten Beispielen. Online verfügbar — entweder als Webflow-Page, als Figma-Bibliothek oder als Notion-Workspace —, sodass Suchen, Verlinken und Updates funktionieren.
Dein Team findet die richtige Anwendung in 30 Sekunden, nicht in zehn Minuten Suchen-und-Fragen. Externe Dienstleister bekommen einen klaren Standard, nicht „macht halt was Marken-mäßig". Und wenn das Manual nach zwei Jahren upgedatet werden muss, ist das eine Pflege-Aufgabe — keine Neuerstellung.
01 — Bestandsaufnahme. Welche Regeln existieren bereits (auch implizit), wo entstehen heute Konflikte zwischen Anwendern, was wird im Alltag missverstanden. Echte Use-Cases statt theoretischer Vollständigkeit.
02 — Struktur. Welche Regeln gehören in den Guide — Logo, Farbe, Typo, Bildwelt, Tonalität, Layout-Prinzipien. Welche nicht — die kommen in spezielle Manuals (Web-Guide, Social-Templates) statt ins zentrale Dokument.
03 — Produktion. Guide als Working-Document bauen — Online-Format, durchsuchbar, mit echten Beispielen statt Schemen. Pro Sektion: was geht, was nicht, warum.
04 — Aktivierung. Mit dem Team einführen: 30-Minuten-Walkthrough, Fragen klären, Bookmarks setzen. Erst dann wird der Guide zum Standard — nicht beim Versand.
FAQ
Eine PDF-Vorlage reicht, wenn sie geöffnet wird, wenn sie gebraucht wird. Praktisch passiert das selten — PDFs werden einmal abgelegt und nicht wieder gesucht. Online-Style-Guides (als Webflow-Page, Figma-Bibliothek oder Notion-Workspace) sind durchsuchbar, verlinkbar und werden im Alltag tatsächlich genutzt. Der Aufwand für ein gutes Online-Format ist kaum höher als für PDF — die Wirkung deutlich besser.
Da, wo dein Team ohnehin arbeitet. Bei Webflow-Teams oft als interne Webflow-Page, bei Design-Teams als Figma-File mit Komponentenbibliothek, bei produkt-orientierten Teams als Notion-Workspace. Wichtig ist, dass die URL im Onboarding-Material steht und der Guide aus dem Intranet erreichbar ist — sonst lebt er nur in der Versendet-Mail.
Wenn die Marke sich entwickelt — sonst nicht. Ein guter Style Guide ist robust gegen kleine Änderungen. Updates werden nötig, wenn neue Touchpoints dazukommen (App, neue Sub-Brand, neue Kanäle) oder wenn Anwendungsregeln im Team unklar geworden sind. Die typische Aktualisierungs-Frequenz ist ein bis zwei Mal pro Jahr — nicht monatlich.
Idealerweise eine Person im Marketing-Team, die sich Brand-Manager nennen darf — auch wenn es nur 10% der Stelle ist. Bei kleineren Teams oft die Geschäftsführung selbst. Wichtig ist nicht die Hierarchie, sondern dass die Verantwortung klar ist. Bei größeren Updates kann ich nachhelfen — bei kleineren Anpassungen sollte das Team selbst arbeiten können.
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