
Marken-Typografie ist meistens eine Liste aus zwei Schriften, die jemand in ein Manual geschrieben hat. Wenn die Marke wächst, fehlt das System: welche Schnitte gibt es, wo welche Größen, wie sich die Hierarchie über Web, Print und App verhält. Typografie ohne System fällt nach zwei Jahren auseinander — und mit ihr der visuelle Eindruck der Marke.
Ich entwickle Typo-Systeme, die als Ganzes funktionieren — eine Primärschrift mit definierten Schnitten und Größen für Headline, Body und Caption, eine Sekundärschrift für Sonderfälle (Monospace für Zahlen, Display für Hero), und klare Regeln für Hierarchie, Zeilenabstand und Auszeichnung. Inklusive Web-Performance-Optimierung (Variable Fonts, OpenType-Features, korrekte Fallbacks) und Lizenz-Klärung — viele Foundries haben strenge Regeln, die im Manual stehen müssen.
Nach der Arbeit hast du ein Typo-System, das dein Team im Alltag richtig anwendet, weil es klar dokumentiert ist. Headlines sehen über Plattformen gleich aus. Body-Text ist lesbar auf Mobile und Print. Und wenn jemand in zwei Jahren einen neuen Touchpoint baut — eine App, eine Messewand, eine PowerPoint — sind die Regeln so klar, dass das Ergebnis ohne Rückfrage zur Marke passt.
01 — Recherche. Was die Marke heute kommuniziert und wo, welche Konkurrenzschriften welche Botschaft tragen, welche Pairings funktional und lizenzrechtlich tragfähig sind. Drei bis fünf Schrift-Kandidaten — vor Pixel-Tests.
02 — System. Auf Basis der finalen Schrift(en) Größen-Skala definieren, Schnitte festlegen, Hierarchie über alle Kanäle bauen. Pro Touchpoint ein konkretes Beispiel, nicht abstrakte Regeln.
03 — Performance & Lizenz. Web-Optimierung: Variable Fonts, OpenType-Features richtig laden, Fallback-Fonts so wählen, dass kein FOUT-Sprung sichtbar ist. Lizenz-Lücken klären — Web vs. Desktop vs. App haben oft unterschiedliche Anforderungen.
04 — Dokumentation. Brand-Style-Guide-Kapitel mit echten Beispielen statt abstrakter Regeln. Wenn das Team die Schrift falsch anwendet, ist das Manual schuld, nicht das Team.
FAQ
Eine Schrift mit ausreichend Schnitten (Light bis Bold, Italic) deckt 80% der Anwendungen ab. Eine Sekundärschrift macht Sinn, wenn besondere Anwendungen das brauchen: Monospace für technische Zahlen oder Code-Snippets, Display für Hero-Headlines, Serifschrift für Editorial-Charakter. Mehr als zwei Schriften sind selten sinnvoll — und meistens das Zeichen einer fehlenden Typo-Strategie.
Sehr unterschiedlich. Es gibt qualitativ ausgezeichnete kostenlose Schriften (Google Fonts, einige Foundries), und gleichzeitig Spezialschriften, die mit jährlicher Lizenz und Page-View-Limit kalkuliert werden. Eine professionelle Lizenz für Web + Desktop liegt typischerweise zwischen 200 und 2.000 Euro pro Jahr — abhängig von Foundry, Schnitt-Anzahl und Anwendung. Die Klärung der Lizenzlage gehört ins Typografie-Projekt.
Auf allen modernen Browsern ja — seit Chrome 62, Safari 11 und Firefox 62 sind Variable Fonts breit unterstützt. Fallback auf statische Schnitte ist trotzdem sinnvoll, falls jemand mit altem Browser kommt oder die Variable-Font-Datei nicht lädt. Performance-Vorteil ist real: eine Variable-Font-Datei deckt alle Schnitte ab, statt jeden Schnitt einzeln zu laden.
Oft ja. Viele Foundries trennen Web-, Desktop- und App-Lizenzen, weil die Anwendungen unterschiedliche Reichweiten haben. Web-Lizenz erlaubt typischerweise eine Domain, Desktop-Lizenz erlaubt n Geräte oder Mitarbeiter, App-Lizenz ist separat. Die Lizenz-Klärung ist Teil des Typografie-Projekts — sonst entstehen später teure Nachforderungen.
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